Wer den Trüffel nicht kennt, denkt an Preis. Wer ihn kennt, denkt an Zeit. Daran, dass er nur wenige Wochen im Jahr wirklich gut ist. Daran, dass er drei Tage nach der Ernte bereits anders riecht als am ersten. Daran, dass es kein anderes Produkt in der Küche gibt, das so kompromisslos auf Aufmerksamkeit besteht — und so gnadenlos aufdeckt, ob jemand weiß, was er tut.



Was Andrea Milicia über Jahrzehnte über den Trüffel gelernt hat — und was er daraus auf dem Teller macht — lässt sich in zehn Gedanken erzählen.



Tartufo — L'Unico Frankfurt

01.

Weniger ist mehr


Trüffel verträgt keine Konkurrenz. Je weniger auf dem Teller, desto lauter spricht er. Eine Tagliatelle, etwas Butter, frisch gehobelter Tartufo Bianco d’Alba — mehr braucht es nicht. Jede Zutat, die dazukommt, nimmt ihm etwas weg. Das gilt im Kochen wie im Leben.



02.

Frische entscheidet


Ein Trüffel, der drei Tage alt ist, ist kein Trüffel mehr — er ist eine Erinnerung. Das Aroma flüchtet mit jeder Stunde. Deshalb kauft Andrea Milicia nie auf Vorrat. Wenn Trüffel auf der Karte steht, kam er heute. Das ist kein Marketing. Das ist Respekt vor dem Produkt.



03.

Herkunft schmeckt man


Nicht jeder schwarze Trüffel ist gleich. Der Périgord-Trüffel aus dem Südwesten Frankreichs riecht anders als der Norcia-Trüffel aus Umbrien. Beide sind gut. Aber sie erzählen verschiedene Geschichten. Im L’Unico wird immer gesagt, woher er kommt — weil das zur Ehrlichkeit gehört, die man dem Gast schuldet.



Trüffel lügt nicht. Man schmeckt sofort, ob jemand mit ihm umgehen kann.

— Andrea Milicia


L'Unico Frankfurt — Ambiente

04.

Wärme aktiviert


Trüffel entfaltet sein volles Aroma erst durch Wärme — nicht durch Hitze. Einen Weißen Trüffel über ein heißes Risotto hobeln: Das ist der Moment, in dem der Tisch still wird. Diese stille Sekunde vor dem ersten Bissen ist der eigentliche Teller.



05.

Der Wein muss Platz lassen


Zu weißem Trüffel trinkt man im L’Unico keinen Barolo. Der würde kämpfen. Ein reifer Barbera d’Asti, ein leichter Dolcetto — etwas, das unterstützt, nicht überdeckt. Die Kunst des Pairing ist die Kunst des Zuhörens. Das gilt für Wein genauso wie für Menschen.



06.

Saison ist Gesetz


Weißer Trüffel: Oktober bis Dezember. Schwarzer Sommertrüffel: Juni bis August. Schwarzer Wintertrüffel: November bis März. Wer das ignoriert und ganzjährig „Trüffel“ anbietet, verkauft gefrorene Ware oder Trüffelöl aus dem Labor. Im L’Unico steht Trüffel nur dann auf der Karte, wenn er auch wirklich auf dem Markt ist.



07.

Trüffelöl ist kein Trüffel


Das muss gesagt werden. Das meiste, was als „Trüffelöl“ verkauft wird, enthält keinen echten Trüffel — sondern einen synthetisch hergestellten Aromastoff namens 2,4-Dithiapentane. Er riecht intensiv und billig zugleich. Echter Trüffel hat keine Eile. Er riecht rund, tief, vergänglich. Man verwechselt das nicht — wenn man es einmal kannte.



L'Unico Frankfurt — Holzwand

08.

Einfachheit als Statement


Das Gericht, auf das Andrea Milicia am stolzesten ist: Uova al Tartufo — weich gekochte Eier, etwas Butter, frisch gehobelter Trüffel. Keine Soße. Keine Reduktion. Keine Geschichte darunter auf dem Teller. Wer Trüffel wirklich kann, braucht keine Kulisse.



09.

Charly riecht ihn zuerst


Wenn eine Lieferung kommt, ist Charly der erste am Paket. Was ein Golden Retriever mit seiner Nase leistet, braucht ein Sommelier Jahre. Charly urteilt ohne Höflichkeit — wenn er interessiert ist, ist der Trüffel gut. Wenn er wegläuft, ist er es nicht. Bisher hatte er immer recht.



10.

Es geht nie nur um den Trüffel


Wer ins L’Unico kommt, wenn Trüffel-Saison ist, kommt nicht wegen des Preises. Er kommt, weil er für zwei Stunden Teil von etwas sein möchte, das selten geworden ist: einem Tisch, an dem das Essen noch Nachricht hat. Der Trüffel ist der Anlass. Der Abend ist das Eigentliche.

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1 Kommentar
  • Anna
    März 11, 2023

    There may be others champing at the bit, but Ralph Lauren’s spring collection proves that he remains the master of all-American fashion. From the blue-and-white striped top paired with a navy floral skirt and accented with a neck scarf, to the matching twinset—its cardigan tied at the waist of a pair of periwinkle pants—the effort was a welcome departure from the decadence we so often expect from a fashion show. (Well, at least most fashion shows.) Lauren also made a great case for the brown leather belt. It will certainly be at the top of many spring shopping lists

  • Elizabeth
    August 23, 2023

    There may be others champing at the bit, but Ralph Lauren’s spring collection proves that he remains the master of all-American fashion. From the blue-and-white striped top paired with a navy floral skirt and accented with a neck scarf, to the matching twinset—its cardigan tied at the waist of a pair of periwinkle pants—the effort was a welcome departure from the decadence we so often expect from a fashion show. (Well, at least most fashion shows.) Lauren also made a great case for the brown leather belt. It will certainly be at the top of many spring shopping lists